Die Schiedsrichter bei der Nations Championship in diesem Monat bereiten sich auf eine anspruchsvolle Aufgabe vor: Sie müssen die komplexen Rugby-Regeln anwenden, dabei laufen, Entscheidungen einem weltweiten Fernsehpublikum vermitteln und inmitten des Lärms großer Zuschauermengen arbeiten. Bei einer nichtöffentlichen Sitzung in der Nähe von Windsor kamen Offizielle wie Karl Dickson, Luke Pearce, Angus Gardner, Ben O’Keeffe und Hollie Davidson zusammen.

Eine Trainingseinheit konzentrierte sich auf die Mechanik des Gedränges. Jonathan Humphreys, Gedränge-Berater von World Rugby, erklärte, wie die Schulterposition eines linken Pfeilers vor dem Einwurf den Winkel der ersten Reihe verändern kann. Der ehemalige walisische Kapitän und derzeitige Trainerberater von World Rugby Warren Gatland nahm an der Demonstration teil und band sich an Humphreys, um die Position zu zeigen, die die Offiziellen verlangen sollten.

Die Anweisungen behandelten auch den „Bremsfuß“ des Haklers: Wenn die Ferse des vorderen Fußes nicht flach auf dem Boden steht, sollten die Offiziellen einen Freitritt verhängen. Weitere Punkte waren, die erste Reihe vor dem Einwurf in einer Linie zu halten und sicherzustellen, dass die Spieler gerade schieben, statt das Gedränge herumzudrehen.

Die erklärten Prioritäten von World Rugby für die Verbesserung des Spiels sind, die Spieler zu schützen, den Wettkampfcharakter zu fördern, den Spielfluss zu begünstigen und die Fans zu gewinnen. Der Artikel beschreibt außerdem, dass zunehmend darauf gesetzt wird, den Schiedsrichtern feste Entscheidungen zu ermöglichen, statt Spiele mit unnötigen Überprüfungen durch den Television Match Official zu unterbrechen. Ein führender Offizieller fasste den Ansatz so zusammen: „Entscheide, was wichtig ist. Der Rest ist unwichtig.“ Damit meinte er den Fokus auf klare und eindeutige Entscheidungen.

In den ersten Wochen des kommenden Monats könnte es für die Teams mehr Freitritte und Straftritte geben, während sich Offizielle und Spieler auf Sanktionen für Tackles mit abgesenkter Hüfte oder abgesenktem Knie sowie auf ein aktualisiertes Verfahren zum Kopfkontakt am Ruck einstellen. Die Änderungen sollen unter anderem gefährliche Befreiungsaktionen reduzieren.

Am Sonntag trafen sich führende Cheftrainer mit hochrangigen Schiedsrichtern, um über die Zukunft des Spiels zu sprechen. Zu den angesprochenen Ideen gehörten Schutzbrillen, die eine Vogelperspektive auf Gedränge ermöglichen könnten, sowie ein spezialisierter Gedränge-Schiedsrichter. Außerdem werden Studien dazu in Auftrag gegeben, was Fans am meisten gefällt; dabei kommen Herzfrequenzmesser zum Einsatz. Erste Untersuchungen in der südlichen Hemisphäre ergaben erhöhte Herzfrequenzen bei Interceptions, Durchbrüchen durch die Verteidigungslinie und beim Haka. Unterbrechungen und wiederholte Gedränge gehörten dagegen zu den größten Abtörnern.

Jüngste Statistiken, auf die der Artikel verweist, zeigen, dass sich das Verhältnis von Versuchen zu Straftritten bei wichtigen Testspielen in weniger als drei Jahren verdreifacht hat. Die Debatte über die Richtung des Spiels dürfte nach der Weltmeisterschaft 2027 wieder aufgenommen werden.

Quellen: The Guardian Sport.