Liverpools 0:1-Niederlage gegen Arsenal an der Anfield Road legte eine wiederkehrende Schwäche gegen tief stehende Abwehrblöcke offen. Das Team gab keinen einzigen Schuss auf das Tor ab – erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 2003/04 in einem Premier-League-Spiel im Stadion. Auch bei einem torlosen Unentschieden gegen Arsenal zu Beginn dieses Jahres traf Liverpool das Tor nicht, obwohl die Mannschaft in beiden Spielen das Aluminium traf.
Arsenal verdient Anerkennung dafür, die Qualität von Liverpools Chancen begrenzt zu haben, auch wenn die Gastgeber wiederholt gefährliche Positionen erreichten. Liverpool hatte 52 Ballkontakte im Strafraum von Arsenal, kreierte aber nur eine von Opta definierte Großchance. Der Durchschnitt in der Premier League ist deutlich effizienter: In dieser Saison sind 10,3 Ballkontakte im Strafraum erforderlich, um eine Großchance zu kreieren.
Das Problem geht über das Spiel gegen Arsenal hinaus. Liverpool hatte weniger Ballkontakte in gegnerischen Strafräumen als zwölf Mannschaften, aber nur Coventry mit elf kreierte weniger Großchancen als die insgesamt zwölf von Liverpool. Thierno Barry von Everton hat individuell 15 Großchancen kreiert, während Erling Haaland von Manchester City 14 herausgespielt hat.
Liverpools Bilanz in Europa deutet darauf hin, dass das Problem in nationalen Wettbewerben besonders ausgeprägt ist. In drei Champions-League-Spielen kreierten sie zwölf Großchancen. Ihre Spiele in der Premier League waren jedoch im Allgemeinen schwieriger zu öffnen, da Liverpool mehr Zeit als jede andere Mannschaft damit verbringt, Angriffe gegen tief stehende Abwehrblöcke aufzubauen.
Die eigenen Ergebnisse haben zu diesem Muster beigetragen. Liverpool geriet in fünf seiner acht Ligaspiele zuerst in Rückstand, und die Gegner hatten nur selten einen starken Grund, ihre kompakte defensive Formation aufzugeben. Liverpool führte nur gegen Ipswich und Brighton mit zwei Toren Vorsprung.
Andoni Iraola erkannte die Herausforderung während seiner ersten Pressekonferenz bei Liverpool und sagte, er bevorzuge die Kontrolle und das Territorium, die damit einhergingen, gegen einen tief stehenden Abwehrblock zu spielen. Liverpool hatte mehr Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte und versuchte mehr Pässe im letzten Drittel als alle bis auf vier Mannschaften, doch diese territoriale Dominanz führte nicht konstant zu hochwertigen Chancen.
Von Florian Wirtz wird erwartet, dass er bei der Lösung dieses Problems hilft, doch er hat in dieser Saison in der Liga noch keine Großchance kreiert. Bereits in seiner Debütsaison lag seine Bilanz von fünf deutlich unter den Werten von Dominik Szoboszlai, Mohamed Salah und Cody Gakpo. Wirtz ist weiterhin in fortgeschrittenen Bereichen beteiligt und liegt bei den angekommenen Pässen im letzten Drittel auf Rang neun der Liga, doch sein Einfluss konzentrierte sich eher darauf, den Ballbesitz zu sichern und weiterzuleiten, als Abwehrreihen aufzubrechen.
Liverpool muss außerdem sein hohes Pressing in mehr unmittelbare Chancen umwandeln. Die meisten Großchancen der Mannschaft in der Liga entstanden nach Ecken oder Flanken aus dem laufenden Spiel. Bradley Barcola lieferte vielversprechende Momente, darunter eine Balleroberung, die ihn bei Brentford allein auf das Tor zulaufen ließ, sowie einen Ballgewinn, der zu seiner Vorlage für Alexander Isak gegen Brighton führte.
Trotzdem gab Liverpool nur bei 16,7 % seiner Balleroberungen in den letzten 40 Yards des Spielfelds einen Schuss ab. Das liegt unter dem Ligadurchschnitt von 18,4 % und ist die siebtniedrigste Quote in der Premier League. Eine Verbesserung dieser Umwandlungsrate würde Iraolas Mannschaft einen direkteren Weg zu Chancen eröffnen.
Großchancen machen in dieser Saison 18,1 % der Schüsse in der Premier League aus, sind aber für 59,5 % der Tore verantwortlich. Liverpools Aussichten in Iraolas erster Saison werden stark davon abhängen, ob es der Mannschaft gelingt, regelmäßiger Großchancen zu kreieren – insbesondere dann, wenn die Gegner tief verteidigen und den Raum rund um den Strafraum versperren.
Quellen: The Guardian Sport.